Mittwoch, 8. Januar 2020

BERICHT EINER GANZEN GROSS-FAMILIE

Gerade den Bericht einer in die Schweiz migrierten Gross-Familie erhalten - und offensichtlich ist das Schmerzproblem nach Vasektomie bei einigen Familien eher wahrscheinlich als bei anderen (was auch heisst: Falls in Ihrer Familie so ein Fall bekannt ist, machen sie KEINE VASEKTOMIE!): Denn alle Männer dieser Familie, die eine Vasektomie machen liessen, wirklich alle, haben jetzt das Schmerzproblem, und nicht nur das: "Wir haben bei Ihnen darüber gelesen und sind auch der Meinung, dass nicht über Spätprobleme geredet wird. Wir haben das Thema jetzt bei allen Männern in der Familie und finden, dass die Sterilisation beim Mann sehr viele Probleme bringen kann. Alle haben Schmerzen, sexuelle Störungen und teilweise sogar psychische Störungen. Wir bereuen das alle sehr! Viele haben es gemacht, weil der Erste nicht sofort Schmerzen hatte, sondern erst nach einigen Monaten. Aber dann waren alle anderen schon beim Urologen gewesen. Keinem wurde gesagt, dass es Schmerzen geben kann nach der Vasektomie, die ein Leben lang (oder jetzt schon Jahre) anhalten." (Mail an mich vom 08.01.2020)
Vielleicht sollten das Urologen auch fragen: Ob in der Familie schon solche Fälle bekannt waren.

DAS GENFER GELÖBNIS

Ärzte von heute, was auch immer das heisst - denn sie können ja schon vor vierzig Jahren das Studium abgeschlossen haben und immer noch praktizieren -, legen meist nicht mehr eins zu eins den Hippokratischen Eid ab. Zumindest in der Schweiz hat der Eid meist nur noch referentiellen Charakteren. Seit Jahrzehnten wird eher das Genfer Gelöbnis verwendet - wenn überhaupt (siehe unten). Aber die Idee ist dieselbe: Kein Arzt und keine Ärztin sollte einen Patienten nur um des Geldes wegen behandeln und immer nach bestem Wissen und Gewissen.
So wurde das Genfer Gelöbnis denn auch 1948 vom Weltärztebund verabschiedet und seither mehrmals angepasst, damit der Ruf der Ärzte nach dem Geschehnissen vor allem in Deutschland während der Nazi-Zeit wieder besser würde. Hatten doch dort etliche Ärzte grausame Experimente in Konzentrationslagern vorgenommen.
Wichtig im Genfer Gelöbnis ist die Autonomie des Patienten. Kein Patient sollte zu einer Operation überredet werden, sondern ihm sollten die Fakten erklärt werden, aufgrund derer er sich dann entscheiden kann, ob er operieren lassen wolle oder eben nicht.
Schon dieser Teil wird bei Vasektomien meist nicht befolgt. Schweizer Ärzte müssen eine Komplikation, die laut irgendeiner Studie weltweit nicht mehr als zu 1 Prozent vorkommt, dem Patienten nicht offenlegen. Doch es wird immer Ärzte geben, die Studien so publizieren, dass die Komplikation höchstens 1 Prozent erwähnt. Ein Schweizer Urologe darf sich dann darauf berufen und muss nicht sagen, dass das Vorkommen des Post-Vasektomie-Schmerz-Syndroms bei der weltweit solidesten Studie als mit fast 15 Prozent erkannt wurde. Diese Studie findet man unter anderem hier: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/j.1464-410X.2007.07128.x 
Aber es kommt noch schlimmer: In der Schweiz ist das Genfer Gelöbnis nicht mal Pflicht. Wir leben offenbar in einem Land, das die Ärzte selbst entscheiden lässt, was wichtig ist und was nicht! In vielen anderen Berufen - als Lehrer, Polizist und Kindesbetreuer - wird man zur ethischen Haltung ermahnt. Aber Ärzte können ziemlich frei entscheiden, was sie tun und lassen wollen. Vielleicht werden daher in der Schweiz von 5000 Fällen, in denen Patienten einen Arzt jährlich anklagen, nur 4-5 Fälle zugunsten des Patienten entschieden (Zahl des Kassensturzes). Also diese Zahl MUSS doch nachdenklich machen!

Dienstag, 7. Januar 2020

NIETZSCHE UND KRANKHEIT

Ach, Nietzsche hat es doch gewusst, was man(n) von den Ärzten fordern sollte: Geben Sie mir etwas Gesundheit. - Genau das verstehen Mannheit Frissbös und viele seiner Berufskollegen - Urologen - nicht; sie wollen den Vasektomierten lieber Schmerzen geben, als auf die gute Verdienstmöglichkeit zu verzichten.
Frissbös, Nietzsches Ungeist kommt über dich!

Man nehme solche Posts nicht ganz ernst. Denn der Blog behandelt ansonsten ein ernstes Thema: Dass den Männern, die sich über eine Vasektomie aufklären lassen, von den Urologen meist nicht gesagt wird, wie bis zu 15 Prozent der Operierten danach lange Zeit oder gar ein Leben lang starke Schmerzen haben.
Aber etwas Spass muss eben sein von Zeit zu Zeit ...

Montag, 6. Januar 2020

WIE AUCH DIE NZZ SCHWEIGT

Während sich 2002 noch 15 Prozent der Schweizer Männer (im Alter von 15 bis 74 Jahren) vasektomieren liessen, sind es seit 2017 nur noch elf Prozent. Hoffentlich konnte dieser Blog, den es ja seit 2017 gibt, etwas dazu beitragen. Denn was sie in diesem Artikel der NZZ AM SONNTAG (https://nzzas.nzz.ch/meinungen/verhuetung-vasektomie-soll-die-pille-ersetzen-ld.1512031?reduced=true) wieder einmal nicht sagen, ist der wissenschaftlich bewiesene Fakt, dass in der weltweit breitesten Studie fast 15 Prozent der Männer sieben Monate nach der Vasektomie noch Schmerzen oder zumindest ein starkes Ziehen hatten. Und auch in der Schweiz gaben mir die Schmerzklinik des Inselspitals Bern und jene des Zürcher Universitätsspital zu, dass es mindestens fünf Prozent sind, die mit starken Schmerzen geschlagen sind. Also: Lieber Kondome als Vasektomie!

Samstag, 4. Januar 2020

LEIDER STARTEN WIR SO INS NEUE JAHR

Auch im neuen Jahr 2020 gilt es wieder, die unsäglichen Leidensgeschichten dieser Männer zu beachten. Und ganz allgemein nochmals: Diese Leiden sind nicht deshalb speziell, weil es Männer sind, die leiden, auch nicht, weil sie so viel stärker wären als andere Schmerzen nach gewissen Operationen – aber die grosse Frechheit, das, was angegangen werden muss, ist die Tatsache, dass diesen Patienten NICHT GESAGT WIRD, dass starke Schmerzen für eine lange Zeit oder ein Leben lang bei durchaus mindestens 5 Prozent aller vasektomierten Männer auftritt!

Hier also eine weitere Leidensgeschichte: https://www.postvasectomypain.org/t/another-personal-journey/4975.
Mannheit Frissbös: They will come for you! (Die Geister der gemordeten guten Zeiten.)

Dienstag, 31. Dezember 2019

ETWAS LUSTIGES ZUM JAHRESENDE

Offenbar wurde vor circa hundert Jahren teilweise bei einigen Männern eine einseitige Vasektomie durchgeführt, weil man glaubte, dass die Spermien (beim Abbau jener, die ja nicht mehr anders entfernt werden können aus dem Nebenhoden; die Blut-/Spermienschranke ist durch die Vasektomie durchbrochen), die dann ins Blut gelangten, den Mann wie revitalisieren könnten. Der Dichter Yeats zum Beispiel liess das machen. Die Resultate können bestenfalls Placebo-Wirkung gehabt haben! :-)
https://books.google.ch/books?id=GzeEDwAAQBAJ&pg=PA114&lpg=PA114&dq=%22one+sided+vasectomy%22&source=bl&ots=KluihhZ3TH&sig=ACfU3U2y77W_aUQPRfoYaQZT4FhizC8cug&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwjNiOr9xJHmAhUosKQKHavpDLEQ6AEwAnoECAoQAQ#v=onepage&q=%22one%20sided%20vasectomy%22&f=false 

EINE WEITERE GESCHICHTE

Der leidende Mann hier ist zwar gläubig (was ich jeweils nicht so schätze), aber er schreibt ein gutes Englisch und erklärt für Aussenstehende gut, wie es für einen Mann sein kann, mit diesen Schmerzen nach einer Vasektomie umgehen zu müssen, obwohl er sich zuvor als doch starken Mann gesehen hat, der Schmerzen über längere Zeit nie gekannt hat: https://www.postvasectomypain.org/t/my-debut-and-journey-with-unspeakable-pain/4962.

Dienstag, 26. November 2019

DIE ZAHLEN VOM SCHMERZZENTRUM ZÜRICH

Endlich durfte ich nun einmal mit den Schmerzspezialisten am Universitätsspital Zürich sprechen. Und habe sie konkret nach den Zahlen (Inzidenz) beim Post-Vasektomie-Schmerzsyndrom gefragt. Und bekam ähnliche Antworten wie bereits in Bern:
Zuerst betont man immer, man wolle sich nicht unbeliebt machen etc.; man wolle sich nicht «auf die Äste hinauslassen» o. Ä. – Aber dann – wenn sie sehen, dass man dazu schon etliches weiss und sich informiert hat – kommt es dann doch einmal: Bei den Zahlen der Vasektomierten, die sie im Kanton Zürich haben, und den Fällen, die wegen Schmerzen im betreffenden Bereich zu ihnen kommen, sieht es effektiv so aus: Etwa knapp 2 Prozent aller Vasektomierten gelangen wegen heftiger Schmerzen im Lendenbereich und mit der Diagnose «Postvasoresektionsschmerzen» an sie. Bei circa 1 bis 2 Prozent stellt sich später heraus, dass die Ursache in einer Vasektomie liegen muss – ohne dass die Diagnose schon vorher bestand. Und nach Umfragen in der Bevölkerung geht man davon aus, dass etwa ebenso viele Prozente, wie letztlich ins Spital gelangen (also etwa 3 bis 4 Prozent), nie eine Behandlung im Spital suchen, obwohl auch sie massive Schmerzen haben. Diese Männer leiden einfach so vor sich hin oder versuchen es mit Alternativmedizin.

Was bleibt, sind die Zahlen: Etwa 6 bis 8 Prozent der Männer, die eine Vasektomie durchführen liessen, leiden monatelang (mehr als sieben Monate) oder gar jahrelang oder ein Leben lang an heftigen Schmerzen im Lendenbereich.

Montag, 11. November 2019

DAS LEBEN DREHT SICH NUR NOCH UM DIESE EINE SACHE

Wen das Post-Vasektomie-Schmerzsyndrom trifft, zumindest die ca. 5 Prozent, die es stark trifft, denken meist ihr Leben lang nur noch an den Tag, an dem sie die Vasektomie haben machen lassen plus die Möglichkeiten, irgendwann wieder eine Art Normalität zu erreichen. Dieser Fall hier (https://www.postvasectomypain.org/t/hoping-for-pain-resolution/4834) zeigt auf, wie viel ein Mann zu machen bereit ist, damit er ein wenig weniger Schmerzen hat. Meist hilft es leider nicht einmal.
Nochmals: Eine Vasektomie sollte sehr gut überlegt sein und man sollte wissen, dass mindestens 5 Prozent der Vasektomierten danach meist ein Leben lang starke Schmerzen haben.

Mittwoch, 6. November 2019

DIE WELT DER FRAUEN – ÄRZTE SOLLTEN AUCH DA VERSTÄNDNISVOLLER SEIN

Doch soll hier auch einmal gesagt werden, dass es bei den Frauen etwas Ähnliches gibt wie bei den Männern, was die Akzeptanz betrifft. Bei den Frauen glaubt fast kein Arzt, dass sie extreme Schmerzen haben, wenn eine «Vulväre Vestibulitis» vorliegt: «Das Vestibulitis Vulvae Syndrom (VVS) ist einer der häufigsten Gründe für die Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) bei der Frau im gebärfähigen Alter. Das Krankheitsbild ist vor allem in Europa wenig bekannt. Typischerweise werden Patientinnen mit Vestibulitis während vielen Jahren und mit wenig Erfolg medikamentös behandelt und sie wechseln oft ihre Ärzte.» (https://www.kantonsspitalbaden.ch/Fachbereiche/Gynaekologie/Vestibulitis/index.html)

Der Anstoss zu diesem BLOG

WIE ALLES BEGANN

Nein, ich will nicht alles auf die Frauen schieben. Auch die Männer können einmal ihren Teil zur Verhütung beitragen. Und erst recht möchte...

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