Die Zahlen ändern zwar immer wieder ein wenig (auch von Quelle zu Quelle),
aber in der Schweiz sind etwa 15 Prozent der Männer im reproduktionsfähigen Alter
vasektomiert (http://www.20min.ch/wissen/gesundheit/story/11728661),
in Deutschland nur etwa zwei Prozent (https://de.wikipedia.org/wiki/Sterilisation_(Empf%C3%A4ngnisverh%C3%BCtung)#Statistik).
Liegt das nicht vielleicht daran, dass in Deutschland eben mehr darüber aufgeklärt
werden muss, was für Komplikationen eine Vasektomie haben kann? Und dass man in
der Schweiz noch mit dem unethischem Verschweigen der meisten dieser Nebenwirkungen
ein Geschäft am Laufen hält, das ganz schön einträglich ist?
Das ist nicht die Seite eines unreflektierten oder religiösen Spinners. Ich weiss, dass die Sterilisation eine der sichersten Verhütungsarten ist und bei ca. 85 bis 90 Prozent der Männer kein langfristiges Problem darstellt. Aber aufgrund der erschreckenden Geschichte eines Freundes, des "MAE" (siehe den allerersten Beitrag vom 03.09.2017), habe ich diesen Blog begonnen. ICH RATE ALLEN MÄNNERN DRINGEND VON EINER UNTERBINDUNG AB, WENN SIE NICHT ÜBER ALLE RISIKEN AUFGEKLÄRT WORDEN SIND.
Sonntag, 29. Oktober 2017
Donnerstag, 26. Oktober 2017
FORUM VASEKTOMIEGESCHÄDIGTER MÄNNER IM ENGLISCHEN SPRACHRAUM
Ein Forum für vasektomiegeschädigte
Männer gibt es der Natur der Sache nach auch in Englisch: http://www.postvasectomypain.org.
AUCH IN ÖSTERREICH IST MAN WEITER
In den Nachrichten der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
berichtet 2013 ein ärztlicher Arbeitskreis, dass «der Hodenschmerz nach Vasektomie» in
«15-19%» der Fälle auftrete (Seite 20 rechte Spalte): http://www.uro.at/images/uro/downloads/noegu/NOEGU_47-2013.pdf.
Dienstag, 17. Oktober 2017
BELEG, DASS SICH AUCH IN DER SCHWEIZ DIE ÄRZTE BEWUSST SIND, DASS ES DAS POSTVASEKTOMIESCHMERZSYNDROM SEHR WOHL GIBT
In dieser Studie wird berichtet,
dass bei chronischen Hodenschmerzen zumindest 52 Prozent der Urologen davon ausgehen,
dass sie von einer Vasektomie verursacht worden sein könnten: http://www.europeanurology.com/article/S0302-2838(05)00009-6/fulltext.
STUDIEN IM ANGLOAMERIKANISCHEN
Wie mehrfach gesagt wird
im angloamerikanischen Raum mehr geforscht zum Postvasektomieschmerzsyndrom. Hier
ist die Zusammenfassung einer Studie: 33 Prozent der Befragten sagten hier, sie
hätten ständig Schmerzen seit der Vasektomie: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1537032.
(Die Studie ist allerdings schon etwas älter …)
DIE WICHTIGSTE ERKENNTNIS, TEIL B
Wenn die Vasektomie
derart grosse Risiken birgt, warum wird sie eigentlich in der Öffentlichkeit für
derart problemlos gehalten? Denn eine Operation, bei der jeder siebte Patient
schwerwiegende Schäden davonträgt, sei es ‹nur› für einige Monate, sei es eben
leider ein Leben lang, mag in Ordnung sein, wenn es um Krebs geht oder um einen
Eingriff, der sonst irgendwie Leben retten kann. Aber bei einem freiwilligen
Eingriff, der bloss helfen soll, keine Kinder (mehr) zu bekommen, und der
trotzdem so schädlich sein kann, muss doch einfach die Einsicht durchdringen,
dass hier besser drei Mal darüber nachgedacht wird, bevor man sich zu diesem
Schnitt entscheidet.
Das
aber ist das Problem, das ich zuerst
auch nicht wahrhaben wollte, weil es zu sehr nach Verschwörungstheorie klingt. Es
gibt eine starke Interessentengruppe, die nicht möchte, dass man genau weiss,
welche schlimme Folgen eine Vasektomie haben kann. Und wie immer ist es ganz
simpel: Auch hier steht ein monetäres Interesse im Vordergrund – es geht also schlicht
um Geld.
Einerseits,
hier etwas weniger das Thema, aber es soll doch erwähnt werden, um das der
Pharmaindustrie. Sie fürchtet durch die Einführung der Pille für den Mann oder durch
andere Methoden, die weniger kosten würden als die Pille für die Frau, die ein
Verkaufshit ist, um ihre Einnahmequellen (siehe dazu unter anderem hier: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/pille-fuer-den-mann-eberhard-nieschlag-ueber-verhuetung-beim-sex-a-876317.html).
Deswegen tut sie auch nichts dafür, sich gegen Vasektomien (was sich sowieso
verhältnismässig wenig Männer antun) und damit für neue Verhütungsmittel für
den Mann einzusetzen. In unserem Themenbereich aber liegt vor allem ein anderes
Interessensgebiet: das der Urologen.
Urologen
verdienen, zumindest in der Schweiz, bei einer Vasektomie sehr gut. Im Schnitt
berechnen Sie dafür 1000 Franken oder sogar etwas mehr. Die Operation selbst
dauert meist um die 20 Minuten. Das zeigt, dass dies – selbst für Ärzte –
überdurchschnittlich lukrativ ist. Zudem gilt der Eingriff für den Arzt als
einfach.
Natürlich
kann man nun einwenden, zu dem Preis von 1000 Franken gehöre meist auch die
Vorinformation und die Nachkontrolle. Aber bei der Geschichte, die ich erfahren
musste (siehe dazu den MAE; allererster Eintrag vom 03.09.2017), dauerte das Voraufklärungsgespräch
knappe zehn Minuten, erklärt wurde eigentlich nichts, sondern nur die Methode
gelobt, der Sex sei besser als vorher, und auf eine Untersuchung danach wollte
der betreffende Urologe sogar verzichten, die sei ja nicht unbedingt nötig.
Ebenso
natürlich wissen die Urologen selbst, dass die Operation eigentlich furchtbar
schiefgehen kann, es steht ja in den Praxislehrbüchern (siehe erster Eintrag
vom 13.10.2017). Aber das ist kein Hinderungsgrund für sie, im Gegenteil: Geht
etwas gründlich schief, gehört die ganze Nachbehandlung nicht mehr zum
Gesamtpaket, das sie einem zuvor so vollmundig verkaufen. Dieses Gesamtpaket
ist spätestens mit der einen Nachkontrolle (oder bei ganz skrupellosen Ärzten
wie gesagt mit dem Eingriff) abgeschlossen. Alles danach verschafft ihnen
weitere lukrative Konsultationen.
Beweise
dafür, dass da eine ganze Interessegruppe hinter der schlechten
Informationspolitik steht, gibt es:
-
Zum einen kann man sich die Webseiten diverser
Urologen ansehen, wo kaum etwas über all die möglichen Probleme steht (siehe
dazu auch den zweiten Eintrag dieses Blogs vom 23.09.2017).
-
Dann schaue man sich einmal die Vertragsblätter an,
die man vor dem Eingriff unterschreiben muss, damit der Urologe sich bei
Problemen darauf beziehen kann und etwas in der Hand hat, das sagt, der Patient
sei ja mit dem Eingriff einverstanden gewesen. Mir liegt jenes des MAE (siehe
oben) vor, wo es an möglichen Problemen EINZIG heisst: «Das Risiko einer
chirurgischen Komplikation ist sehr klein. Ausnahmsweise kann eine ausgeprägte
Nachblutung zu einer Blutansammlung im Hodensack führen. Dabei kann es nötig
werden, einen stationären Eingriff zur Entleerung der Blutgerinnsel vorzunehmen.»
– Das ist alles! Schreit das nicht danach, dass hier vieles einfach verleugnet
wird?
-
Dass dies eben nicht nur bei diesem Arzt so ist,
bestätigt eine Mail ebendieses Arztes an den MAE (siehe oben) nach dem Eingriff
und dem Eintreten des Postvasektomieschmerzsyndroms beim MAE, wo er
verteidigend schreibt: «Das ‹Postvasektomiesyndrom› [in Anführungszeichen und
ohne SCHMERZ!] figuriert nicht auf dem schriftlichen Aufklärungsprotokoll der
Universitätsklinik.» Der Arzt kann sich also von der Verantwortung befreien,
weil das zuständige Universitätsspital den Urologen nicht vorschreibt, dass sie
über dieses Schmerzsyndrom aufklären müssen. Wenn auf dem Vertragsblatt (siehe
zweiter Punkt oben) auch alle anderen möglichen Folgeschäden fehlen, darf man
annehmen, dass die Urologen laut Gesetz auch darüber nicht aufklären müssen!
-
Beim vierten Punkt muss man mir und dem MAE (siehe
oben) einfach glauben. Er war zur Nachbehandlung bei einem anderen Urologen.
Drei Mal. Und jedes Mal habe dieser Urologe etwas anderes gesagt die Zahlen zum
Postvasektomieschmerzsyndrom betreffend. Das erste Mal habe er gesagt, bei ihm
hätten vier Prozent der Patienten dieses Problem, bei zwei Prozent lege es sich
nach einigen Monaten, ein Prozent davon greife zu Folgeoperationen, das andere
Prozent lebe einfach damit. Das zweite Mal sagte er, bei ihm hätte noch nie
jemand so ein Syndrom gehabt. Das dritte Mal sagte er, er habe sich
weiterbilden lassen in der Denervierungstechnik (= Nerven durchtrennen, damit
man den Schmerz nicht mehr spüren soll; gelingt öfter nicht), damit er seinen
Patienten, die dieses Syndrom nach einer Vasektomie bei ihm entwickelten, etwas
anbieten könne.
-
Der Urologe, der in diesem Beitrag von SRF (Schweizer
Fernsehen; hier: https://www.srf.ch/play/tv/puls/video/vasektomie---nicht-immer-so-harmlos-wie-versprochen?id=866b9a06-7cb0-4c86-9aa2-529792afcb3f)
quasi offiziell (weil öffentlich) sagt, er habe noch keinen Fall gehabt, der
gross Schmerzen gehabt habe, hat dem MAE (siehe oben) gesagt (da muss man ihm
und mir auch einfach wieder glauben, aber immerhin gibt es in dieser Aufzählung
ja auch vier belegbare Punkte), sie hätten bei sich in der Klinik je nach Jahr
vier bis 13 Prozent der Vasektomierten, die ein Schmerzsyndrom entwickeln
würden. Welches Mal hat er wohl eher die Wahrheit gesagt (ausser er hätte es
wirklich verschieden im Kopf gehabt …)?
-
In den EUROPÄISCHEN UROLOGIERICHTLINIEN heisst es, 1 bis
zu 14 Prozent der Männer entwickelten eine Schmerzsymptomatik. Warum weist in
der Schweiz keine offizielle Stelle darauf hin (siehe dazu wieder: https://www.srf.ch/play/tv/puls/video/vasektomie---nicht-immer-so-harmlos-wie-versprochen?id=866b9a06-7cb0-4c86-9aa2-529792afcb3f)?
Nicht direkt von
Urologen verursacht, denke ich, aber trotzdem ein seltsames Phänomen ist es,
wenn bei Wikipedia bereits am 11. September 2008 über die meisten schlimmen
möglichen Folgen einer Vasektomie geschrieben worden wäre (siehe:
https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Vasektomie&diff=prev&oldid=49398444),
der ganze Teil aber von einem Metabenutzer gelöscht wurde, da er ihn «meines
Erachtens klar überzogen» (siehe: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Vasektomie&diff=next&oldid=49398444)
fand. Was wiederum eine Folge der schlechten allgemeinen Aufklärung der
Bevölkerung über diesen Eingriff ist.
Montag, 16. Oktober 2017
SELBSTHILFEGRUPPE VASEKTOMIEGSCHÄDIGTER MÄNNER IN DEUTSCHLAND, Update
Einer der wichtigsten
Links zum Thema braucht ein Update: jener des NEUEN Forums in Deutschland, wo
vasektomiegeschädigte Männer ihre Leidensgeschichten erzählen:
Sonntag, 15. Oktober 2017
GEGEN EIN HAUPTARGUMENT
Die Urologen werben oft mit der Kostenersparnis durch eine Vasektomie, man
müsse dann keine Kondome oder Pillen kaufen (was die Hormone den Frauen antun, davon
sprechen viele nie). Aber wer bezahlt bei jedem siebten Mann, bei dem die Vasektomie
schiefgeht, weil er gravierende Schäden davonträgt, die Folgekosten: Ärzte, Schmerzmittel,
die Arbeitsausfallszeit, die Psychiater, weil Beziehungen zerbrechen? Nein, man
bleibe lieber beim Kondom oder anderen Verhütungsmitteln …
[Wobei es hier noch zu sagen gilt: Wirklich schlimme Schmerzen (mehr als 3.4 auf der individuellen Schmerzskala nach einem halben Jahr) haben anscheinend weniger als 1 Prozent der Männer.]
[Wobei es hier noch zu sagen gilt: Wirklich schlimme Schmerzen (mehr als 3.4 auf der individuellen Schmerzskala nach einem halben Jahr) haben anscheinend weniger als 1 Prozent der Männer.]
Freitag, 13. Oktober 2017
RUSSISCHES ROULETTE
Wenn man, wie beim
Russischen Roulette, einen sechskammrigen Revolver nimmt, eine Kugel
hineinsteckt, die Trommel dreht und nach Glücksprinzip abdrückt, ist die
Chance, die Kugel abzukriegen, 16.7 Prozent.
Dieses makabre Spiel,
das sicher fast niemand spielen möchte, der noch ein Leben vor sich hat, ist
aber fast genau das, was bei der Vasektomie passiert: Ganz bestimmt jeder siebte,
wenn nicht sogar jeder sechste Mann (siehe Blogeintrag unten) trägt zumindest für einige Zeit gravierende Schäden
durch die Vasektomie davon. Wer dazu gehört, lässt sich nicht voraussagen.
Möchten Sie dieses Spiel spielen?
Und wer nun sagt, das
sei nicht zu vergleichen, denn beim Russischen Roulette sterbe man immerhin,
dem sage ich: a) Kann man auch bei einem massiven Schmerzproblem in den Suizid
getrieben werden bzw. auch beim Russischen Roulette muss es nicht tödlich
enden; und b) Eine Vasektomie wird meist nicht für den Rest des Lebens gemacht,
obwohl sie natürlich so lange wirkt, sondern eher für die etwa zehn bis 15
Jahre, die eine Lebenspartnerin noch fruchtbar wäre. Für diese Zeitspanne, die
also nicht lebenslang ist, dermassen zu leiden, das entspricht, auch wenn es
nicht tödlich enden muss, dennoch etwa dem Einsatz beim Russischen Roulette.
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